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17.07.2011                                          

Tessa
Dunja
Hundesport
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Inhalt

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mein Verständnis von Zusammenleben mit Hunden

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meine Vorstellungen von Hundeerziehung

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Artikel aus dem KStA von 06.04.2002 - Lesenswert!

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"Wie konntest du?"

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Unser Hund ist schon mehr als nur ein Hobby. Er ist Bestandteil unserer Lebensgemeinschaft und mehr Familienmitglied als nur Haustier. Ich bin mit großen Hunden aufgewachsen und wusste von klein auf viel über den Umgang mit Hunden. Als ich damals von zu Hause auszog und meinen alten Hund mitnahm, habe ich aber erst angefangen, mich richtig intensiv mit dem Hund als Familien - Rudel - Tier zu beschäftigen; vielleicht auch angetrieben durch die Erkenntnis, dass es so viele Menschen gibt, die sich Hunde halten und überhaupt keine Ahnung von den Tieren haben, sie nicht artgerecht halten, nicht verstehen, vermenschlichen und so leider meist versauen.

 

Mein Traum ist es immer noch, irgendwann einmal als Hunde- bzw. "Herrchentrainer" zu arbeiten, mein Wissen und meine Erfahrungen weiter zu geben und zu versuchen den Leuten zu erklären, warum ihnen ihr Hund nicht gehorcht, warum er sie nicht als "Boss" bzw. Rudelführer akzeptiert bzw. was man beachten und konsequent praktizieren sollte, um ein harmonisches und artgerechtes Zusammenleben zwischen Mensch und Hund, aber auch innerhalb eines kleinen Familienhunderudels zu gewährleisten.

 

Meine Umwelt bestätigt mir immer wieder, dass ich anscheinend irgendwie ein Händchen für die Tiere habe. Ich komme eigentlich mit jedem Hund, der psychisch nicht total gestört ist, relativ schnell klar und kann eine erste Bindung aufbauen. Die letzte große Herausforderung war natürlich unsere Tessa, die sehr viel lernen musste, als sie 2002 zu uns kam. Inzwischen hat sie sich in ihr Rudel eingefügt und ist ein ziemlich toller Hund geworden, auch wenn sie ihre Macken hat. 

 

Ich verbringe täglich viel Zeit mit meinen Vierbeinern: morgens und nachmittags machen wir je einen ausgedehnten Spaziergang, wir trainieren täglich ein paar Lektionen und spielen miteinander. In dem Sommer, als wir mit Dunja in unsere neue Wohnung gezogen sind, sahen

unsere "Spaziergänge" teilweise aber auch anders aus:

 

Man traf sich morgens an "der Bank", irgendwer brachte Kaffee oder Sekt mit, ein anderer Kekse oder ähnliches, die Hunde spielten selber miteinander und wir hatten ein gemütliches Stell-dich-ein.

Teilweise wuselten 5-10 Hunde um unsere Beine und es war richtig nett. Die Truppe von 2000 hat sich inzwischen allerdings aus unterschiedlichsten Gründen in alle Richtungen zerschlagen. Aber dennoch lernt man durch die Hunde immer wieder mal nette, interessante, komische oder auch nervige Menschen kennen. 

 

 

 

 

Was mir wichtig ist im Zusammenleben mit und in der Erziehung meiner Hunde:

 

Rangordnung

Sie müssen mich, meine Familie und den Menschen an sich als ranghöher akzeptieren - ohne Wenn und Aber: ich dulde weder ein Knurren, wenn ich mal einen Knochen oder das Futter wegnehme, noch Widerworte, wenn ich auf den Platz will, auf dem sie gerade liegen, noch ein Abwehren oder Schnappen, wenn ich man Ohren oder Zähne überprüfen will. Ich bin der "Leitwolf", ich darf alles - überall und wann immer ICH will! In der Wohnung haben beide Hunde je ein Körbchen und einen weiteren Liegeplatz. Sofa und Bett sind Liegeplätze der Ranghöheren. Da haben Hunde nichts zu suchen! Futter gibt es nie vom Tisch, denn der ist der Napf der Ranghöheren. Es wird auch nicht gebettelt. 

 

Gehorsam

Sie müssen gehorchen, auch unter Ablenkung und wenn gerade vor der Nase Spannenderes passiert: egal, ob sie gerade ein Kaninchen, einen Spielkameraden oder ein interessante Fährte in der Nase haben; es wird immer das gemacht, was der Ranghöhere gerade will. Das funktioniert zwar nicht immer, aber bei Tessa doch zu 90%. Es kommt immer drauf an, ob ich bestimmte Sachen noch vor ihr ahne und dementsprechend schneller reagieren kann.

Gehorsam bekommt man am besten und einfachsten, wenn man mit positiver Bestärkung arbeitet. Das ist beim Menschen ja auch nicht anders: wenn man nie ein Lob für sein Tun bekommt, sieht man irgendwann nicht mehr ein, wofür man das überhaupt Mühe machen oder wofür man sich weiterhin anstrengen soll! Positivbestärker müssen nicht immer Leckerchen sein. Manche Hunde freuen sich viel mehr, wenn sie mit einem Spielzeug oder auch nur mit überschwänglicher Freude belohnt werden. Jeder Hund ist da anders. Ich habe für brenzlige Situationen auch noch einen Negativbestärker: das Klirren eines Schlüsselbundes zeigt an, dass eine Grenze überschritten ist. Negativbestärker aber nur sehr sparsam einsetzen!

 

Sozialverhalten

Sie müssen sozialverträglich sein: das bedeutet nicht, dass sie sich mit jedem anderen Hund arrangieren können müssen. Auch unter Hunden gibt es Sympathie und Antipathie. Aber ich achte darauf, dass sie ihre Hundehackordnung nur (Entweder: du bist kleiner als ich und hast Angst vor mir, also jage ich dich! Oder: du bist größer und stärker als ich, also unterwerfe ich mich am besten gleich mal!) in bestimmten Grenzen ausleben. Dunja hatte da von Natur aus ein sehr feines Gespür für. Sie ging Konflikten von alleine aus dem Weg. Tessa muss ich da schon steuern. Umso mehr freut es mich, dass sie sowohl mit Weibchen als auch mit Rüden spielt, und dass sie mit dem jungen Zwergdackel von nebenan genauso spielt wie mit dem Altdeutschen Schäferhund am Rhein.

 

Gesellschaftsfähigkeit

Hunde, besonders große Hunde, sind heute für viele ein rotes Tuch. Man wird auf den Spaziergängen angemotzt, zurechtgewiesen, einem wird mit Anzeige und anderem gedroht. Selten kommt mal jemand auf einen zu und bewundert, dass die Tiere aber wohlerzogen sind. Und ich gebe mir wirklich Mühe: meine Hunde interessieren sich nicht für Jogger, Inlineskater, Radfahrer oder Autos, sie gehen meist nur zu anderen Menschen, wenn sie angesprochen werden, sie laufen fast immer auf der Wegseite, die ich ihnen anzeige, sie wechseln bei Gegenverkehr auf Befehl die Wegseite, sie laufen auch ohne Leine "beifuß", wenn andere Hunde kommen... Aber es sind halt Hunde und sie sind triebgesteuert!

Dennoch bin ich stolz darauf, dass ich meine Hunde überall mit hinnehmen kann. Im Lokal liegen sie brav unter dem Tisch (auch wenn andere Hunde ins Lokal kommen), in den Bus und Bahn machen sie ohne Theater zwischen meinen Beinen "sitz", vor Geschäften warten sie brav auf mich und sie springen nie andere Leute an. Eigentlich hat niemand einen Grund, sich über meine Hunde aufzuregen!

 

Kölner Artikel

 

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Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom 6.4.2002

Von Wolfgang Heck und Jutta Vossieg


Einer der ersten schönen Sonntage im Frühling. Ein vollbesetztes Ausflugslokal. Unter den Gästen auch sieben Familien mit Hund. Hund eins ist am Zaun angebunden und kläfft ununterbrochen. Hund zwei wuselt rastlos um seine Leute herum, bettelt und springt an ihnen hoch, bis die Getränke verschüttet sind und Herrchen und Frauchen in Streit geraten. Hund drei pinkelt zwei Meter vom nächsten Tisch entfernt gegen einen Stein, während Frauchen die Leine hält und sich amüsiert über sein unmögliches Benehmen auslässt.


Hund vier läuft frei zwischen den Tischen herum und interessiert sich ausschließlich für Hund fünf, der im Kommando "bleib Platz" als einziger artig unter dem Tisch liegt und die Annäherungsversuche deutlich leid ist. Als sein Herrchen Hund vier fortschickt, handelt er sich den geballten Zorn von dessen Haltern ein: "Geh doch nach Hause mit deinem Hund, wenn der nicht spielen will!" Hund sechs sitzt auf Frauchens Schoß und frisst mit herablassendem Gesichtsausdruck deren Sahnekuchen - vom Löffelchen, versteht sich. Und Hund sieben saust, das Geschrei seiner Leute ignorierend, hinter einem Jogger her, der den guten Ratschlag "Bleiben Sie einfach stehen, dann passiert nichts!" erhält.


Was ist eigentlich los mit Deutschlands Hunden und ihren Menschen? Alltagsärger und Verdruss über ungezogene und verhaltensgestörte Hunde, über inkompetente und rücksichtslose Halter haben den Nährboden bereitet für Kampfhund-Hysterie, drastische und unsinnige Hundeverordnungen und offenen Hundehass. Doch wie konnte es passieren, dass die jahrtausende alte Symbiose zwischen Mensch und Hund in einen solchen Aufruhr geraten ist?


Mit den rapiden Veränderungen in der Gesellschaft hat sich in vielfältiger Weise auch das Verhältnis zwischen Mensch und Hund gewandelt.


Einerseits wird es enger in Deutschland - wo vor 30 Jahren noch ein einsamer Ausflug möglich war, muss sich der Erholungssuchende heute seinen Weg zwischen Scharen von keineswegs Gleichgesinnten bahnen. Jogger, Skater, Radfahrer, Spaziergänger, Familien mit Kleinkindern, Reiter und eben Hundehalter müssen sich die raren Grünflächen in den Ballungsgebieten teilen - die Stimmung ist vielfach gereizt, Ärger zwischen allen Interessengruppen ist programmiert, zumal Intoleranz und Berührungsängste, Rücksichtslosigkeit und Rechthaberei generell zunehmen. Mancher fühlt sich durch die pure Präsenz eines Hundes belästigt und gefährdet.


Viel gravierender aber ist, dass sich Hund und Halter einander bedenklich entfremdet haben. Der Hund hat seinen Job als Wächter des Hofs, Hüter des Viehs, Jäger oder auch nur als Begleiter durch den Alltag verloren, sein Bewegungsspielraum wird immer weiter eingeengt. Nur wenige glückliche leben heute bei den Menschen, die den Hund als Hund behandeln, weil sie wirklich Bescheid wissen über Rudelverhalten und Triebe, über artgerechte Haltung und Beschäftigung. Die weitaus meisten dienen als Kinderspielzeug, Partner- oder Kinderersatz, als Statussymbol, modisches Accessoire oder Sportgerät, oder sind aus einer Laune heraus angeschafft und längst lästig geworden.


Unsachliche Affenliebe und eine gefährliche Laisser-faire-Mentalität hat Fachkunde und konsequente Erziehung abgelöst. Selbstgebastelte Verhaltenstheorien werden bei jeder Gassi-Begegnung weitergereicht und erhalten dadurch irgendwann den Status unumstößlicher Weisheiten, etwa die Mär vom Welpenschutz (der viele Hundekinder böse Erfahrungen verdanken), der Grundsatz "das machen die unter sich aus" (ein todsicherer Weg, sich einen Problemhund heranzuziehen) oder die Regel "Rüden/Hündinnen untereinander vertragen sich eben nicht" (eine bequeme Ausrede für ein Aggressionsproblem).


Hunde werden mal vermenschlicht und verhätschelt, mal sträflich vernachlässigt oder dumm und roh behandelt. Eine Industrie, die lächerliches und überflüssiges Zubehör wie Regenmäntelchen und Videos für den Hund als Zeitvertreib bei Frauchens Abwesenheit verkauft, macht Rekordumsätze. Gleichzeitig verstaubt das durchaus vorhandene, fundierte Wissen über den Hund, sein Wesen und den Umgang mit ihm in den Bücherregalen. Jeder glaubt, nur er allein versteht seinen Liebling und weiß, was gut für ihn ist.


Ein übergroßer Teil der Halter ist aber weder bereit noch in der Lage, seine Hunde sachgerecht und erfolgreich zu erziehen. Kaum ein Hund beherrscht heute die einfachsten Gehorsamsübungen wie "Bei Fuß", kaum ein Halter hat sein Tier auch in Reizsituationen sicher im Griff. Gerichte beschäftigen sich regelmäßig mit Belästigungen und Gefährdungen, denen Menschen durch Hunde ausgesetzt sind. Manche Nachbarschaft wird durch dauerkläffende Hunde zermürbt, Radfahrer und Skater kommen durch unkontrolliert herum springende Hunde zu Fall. Dabei sehen es viele Hundebesitzer noch als gutes Recht ihrer Tiere an, sich so zu verhalten.


Die meisten Halter erkennen noch nicht einmal, wenn ein anderer - erzogener - Hund gerade ein Kommando befolgt und jetzt nicht von spielwütigen Artgenossen überfallen werden möchte. Verbreitet herrscht regelrecht Mitleid mit Hunden, die nicht rund um die Uhr machen dürfen was sie wollen. Dass ein wohlerzogener Hund letztendlich mehr Freiheiten und ein erfüllteres Leben hat, als der, der zweimal am Tag für eine halbe Stunde auf der Hundewiese losgelassen wird und ansonsten zuhause bleiben muss, weil er überall unangenehm auffällt, sehen die wenigsten.


Mit diesen Auflösungserscheinungen hat das Hundewesen in Deutschland nicht Schritt gehalten. Wer seinen Hund nicht zur Jagd, im Hundesport oder Schutzdienst ausbilden, sondern nur einen ganz normalen, alltagstauglichen Familienhund will, ist einer unkontrollierten und weithin unprofessionellen Szene ausgeliefert. Hundehaltung und -erziehung gelten nach wie vor als Hobby, Scharlatanerie und Stümperei sind an der Tagesordnung. Der Besuch einer Hundeschule gehört zwar heute für viele dazu, doch eine solche darf jeder eröffnen, der über ein eingezäuntes Grundstück verfügt. Es wimmelt in der Szene von wohlmeinenden, aber konzeptlosen Autodidakten, selbsternannten Gurus und "Hundeflüsterern", die sich am liebsten mit dem Etikett "gewaltfrei" schmücken. Sie versprechen grenzenlose Harmonie in der "Partnerschaft von Mensch und Tier", rasche Wunderheilungen von Verhaltensstörungen und verteufeln jede Strafeinwirkung als Tierquälerei.

Damit haben sie natürlich mehr Glanz und Zulauf als bodenständige Ausbilder, die ganz herkömmlich mit Lob und Strafe arbeiten, auf konsequenter Unterordnung bestehen und den Haltern einen langen, steinigen Weg und einen lebenslangen Lernprozess prophezeien.

 

Mancher gut gemeinte Erziehungsversuch, mancher teure Kurs endet für Hund und Halter in einem Desaster, wenn die beiden an dilettantische Ausbilder geraten sind und aus Unwissenheit falschen Theorien folgen. Ungehorsam und Fehlverhalten sind nach dem Kurs oft schlimmer als vorher. Durch diese verbreitete Erfahrung setzt sich nicht nur in Hundehalter-Kreisen die Meinung durch, es sei normal, dass Hunde nicht gehorchen und, einmal losgelassen, in ihrem Verhalten nicht kontrollierbar sind. Entsprechend sind auch die Hundeverordnungen formuliert - Leinenzwang für alle. Dass ein Hund korrekt im Gehorsam stehen und sich tadellos benehmen kann, scheint gar nicht mehr denkbar. Viele Züchter nähren Inkompetenz und mangelndes Engagement in der Ausbildung noch damit, dass sie ihre "leicht erziehbaren" und "kinderlieben" Rassen, den wartungsfreien Vollkasko-Hund sozusagen, anpreisen.


Jeder Hund, vom Pudel bis zum Pitbull, ist jedoch mit drei Merkmalen ausgestattet: Er ist ein Rudel- und damit Rangordnungstier. Er ist triebgesteuert. Und er ist lernfähig. Das heißt: Entweder führt der Mensch ihn oder er den Menschen. Gleichberechtigte Partnerschaft kommt in seinem Weltbild nicht vor. Wie alle sozialen Lebewesen verfügt er nicht nur über liebenswerte Eigenschaften, sondern auch über ein beachtliches Aggressionspotential. Er folgt seinen angeborenen Impulsen (Hetz-, Beute-, Sexualtrieb), wenn sie nicht von Anfang an schon in kleinsten Ansätzen konsequent gebremst werden - das lässt sich nicht ausschließlich mit Lob und Leckerchen erreichen. Er lernt entweder, sinnvolle Kommandos zu befolgen, oder er lernt, dass er machen kann was er will.


Jedem Hundebesitzer sollte klar sein, dass auch der niedlichste und friedlichste Hund erzogen werden muss, will der Mensch mit ihm ohne ständige Zwischenfälle und Ärger über Unarten zusammenleben. Die landläufige Ansicht, dass aus einem Hund, der einfach nur liebevoll behandelt wird, zwangsläufig ein "lieber Hund" wird, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.


Zudem gibt es dramatische Fehleinschätzungen des Verhaltens des eigenen Hundes: Zerren an der Leine, Aggression gegen Artgenossen, Dauerkläffen, Trennungsängste, Belästigen fremder Leute und Aggression gegen Menschen etwa in Form von Futter- oder Revierverteidigung oder knurrende Behauptung auf dem Sofa gegen die eigene Familie werden als "Hundeart", als "liebenswerte Macken" belächelt und hingenommen - solange es gut geht. Sie sind aber der Anfang einer Karriere als Problemhund.


Denn diese lästigen oder gar gefährlichen Unarten sind immer Ausdruck einer gestörten Rangordnung im "gemischten Mensch-Hund-Rudel". Und ist die Rangfolge falsch, wird sich der Hund immer weiter zum Chef aufschwingen und seine Triebe ungehemmt ausleben. Bei weitem nicht immer, aber auch nicht selten wird ein solcher Hund schließlich bissig. Das bedeutet natürlich nicht, dass er ständig und jeden attackiert. Er ist die meiste Zeit weiterhin fröhlich und liebenswert. Gefährlich wird er jedoch in Situationen, die in seinen Augen einen Rangordnungskonflikt darstellen - etwa, wenn sich ein Kind unwissentlich der Futterschüssel nähert, wenn er vom Sofa vertrieben werden soll oder wenn ein Fremder ins Haus kommt. Dabei kann schon das zwischen Hunden übliche, eigentlich harmlose "Abschnappen" Richtung Gesicht beim Menschen zu schweren Verletzungen führen - deshalb werden Kinder tragischerweise so oft dauerhaft entstellt.


Das Medienmonster, das auf der Straße unmotiviert fremde Menschen anfällt, ist also die absolute Ausnahme - wenn überhaupt, handelt es sich hier um missbräuchlich scharf gemachte Hunde. Das Risiko, auf dem Spaziergang von einem entgegenkommenden Hund ernsthaft attackiert zu werden, ist kaum größer als das, von dessen Herrchen erschossen zu werden. Beißunfälle passieren hingegen in aller Regel innerhalb der Familie oder des häuslichen Bereichs. Diese Vorfälle werden vielfach totgeschwiegen, die Hunde werden eingeschläfert oder ins Tierheim entsorgt - beim neuen Besitzer sind sie womöglich dank kompetenter Führung völlig problemlos. Erstaunlich viele Menschen leben aber mit dem Problem weiter, es gibt durchaus Fälle, in denen Menschen mehrfach vom eigenen Hund arztreif gebissen worden sind.


Überproportional beteiligt an solchen Zwischenfällen sind den Erfahrungen zufolge Kleinhunde sowie Modehunde wie Golden Retriever, Bobtail oder Berner Sennenhund. Grund in 99 von 100 Fällen: mangelnde Erziehung, fehlende Unterordnung, Verhätscheln, Vermenschlichung. Der Hund war einfach zu niedlich, um ihn wie einen Hund zu behandeln. Er schlief auf dem Sofa, bekam stets seinen Willen, stand immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - kurz, die Familie ordnete sich ihm als Rudelführer freiwillig unter.


Auch der Großteil der spektakulären Attacken der Vergangenheit hat im privaten Bereich stattgefunden, oder aber in Situationen, in denen sich die Hunde gegen den Willen ihrer Besitzer selbstständig gemacht hatten. Es muss also einleuchten, dass mit Hundeverordnungen, die auf Rasselisten und bürokratischen Vorschriften beruhen, nicht viel gewonnen ist. Sie haben auch nicht zu einem nennenswerten Rückgang der Beißvorfälle geführt, auch wenn die Politik dies gern anders verkauft.


Das Kind, das auf der Suche nach seinem Ball über den Zaun eines fremden Grundstücks klettert, oder das Tag für Tag mit einem unzuverlässigen Hund zusammenlebt, die alte Dame, die einem ausgebüchsten Rottweiler in die Quere kommt, werden nicht dadurch geschützt, dass Leinenzwang und hohe Bußgelder auf dem Papier stehen. Schluss mit den Horrormeldungen - und ganz nebenbei auch mit dem Alltagsärger - wird erst dann sein, wenn Hundehalter zwingend dazu verpflichtet werden, ihre Hunde zu Zuverlässigkeit, Gehorsam und unbedingtem Respekt vor allen Menschen zu erziehen, und wenn diese Vorschrift auch kontrolliert wird. Ein solches Ziel ist völlig unabhängig von Rasse und Größe des Hundes.


Leider ist es bisher nicht gelungen, das Thema in sachlicher Weise auf die politische Tagesordnung zu setzen. In Politik und Medien gibt es eine schwer erklärbare Verweigerung, sich mit dem Thema Hundehaltung und Schutz der Bevölkerung vernünftig inhaltlich auseinander zu setzen. Grundsätzlich wird ein Gegensatz zwischen Eltern und Hundebesitzern konstruiert, obwohl Hunde ganz überwiegend in Familien gehalten werden. Professionelle Hundeausbilder, deren Beruf es ist, Hunde alltagstauglich und menschen-kompatibel zu erziehen, werden als verantwortungslose "Köter-vor-Kinder"-Aktivisten abgetan, wenn sie bestehende Regelungen als unsinnig kritisieren. Argumente verhallen ungehört. Dabei reden seriöse Hundefachleute keineswegs jenen nach dem Mund, die meinen, dass in der Hundeszene bis auf ein paar schwarze Schafe alles in bester Ordnung sei. Obligatorische Erziehung, deren Erfolg regelmäßig und ein Hundeleben lang kontrolliert wird, ist eine viel unbequemere Sache, als einem ungezogenen Hund einfach Leine und Maulkorb umzuhängen. Schließlich haben frühere Generationen ja auch nicht auf die steigende Verkehrsdichte damit reagiert, dass Autos nicht schneller als 20 fahren durften, sondern Fahrschule, Führerschein und TÜV eingeführt.

Ähnliches ist im Hundewesen denkbar: Haltungsgenehmigung vor Anschaffung des Hundes, zwingender Besuch eines Grundausbildungskurses, Ablegen einer Prüfung und regelmäßige Vorstellung des erwachsenen Hundes zu Wesenstests. Begleitend müssen "Verkehrsregeln" aufgestellt werden, damit auch dem letzten klar wird, dass Hunde sich nicht überall lösen dürfen, dass es selbstverständlich ist, den Hund bei Annäherung anderer Menschen bei Fuß zu rufen, dass Hunde nicht an fremden Kinderwagen zu schnüffeln und Nachbars Katze zu jagen haben, und dass es auch im Umgang fremder Hunde untereinander Regeln zu beachten gibt.


Das Ausbildungsziel - wie immer es erreicht wird - ist einfach zu definieren: Der alltagstaugliche, problemlose, aber natürlich auch freudige Familienhund. Er befolgt prompt und unter allen Umständen die Basis-Kommandos "bei Fuß", "sitz", "platz", "bleib", "hierhin" und "pfui". Er ist verträglich mit allen Artgenossen, und lässt andere Tiere in Haushalt, Wald und Feld in Ruhe. Er zeigt unter gar keinen Umständen Aggression gegen Menschen, also auch nicht in Form von Revierverteidigung oder Beschützergehabe. Dies alles muss auch dann zuverlässig funktionieren, wenn der Besitzer nicht dabei ist.


Das Ziel ist von fast allen Hunden zu erreichen, unabhängig von Rasse, Alter und Biografie. Klar muss jedoch auch sein, dass besonders triebstarke Hunde oder Hunde mit gravierenden Verhaltensproblemen und -störungen nur in sehr erfahrenen und konsequenten Händen erfolgreich erzogen werden können.


Wichtig ist die regelmäßige Nachkontrolle, weil sich auch bestens ausgebildete Hunde durch nachlässige Führung im Laufe der Jahre negativ entwickeln können. Der heute übliche "Wesenstest" ist daher irreführend, weil ein Hund nicht seinem Wesen nach ein für allemal "gut" oder "schlecht" ist, sondern immer ein Spiegel seiner Handhabung durch den Besitzer.


Diese strengen Vorschriften können dazu beitragen, dass sich potenzielle Hundehalter von vornherein besser überlegen, welcher Hund zu ihnen passt, oder ob sie überhaupt bereit sind, diesen Aufwand zu treiben. Für die ungezählten Hunde, die nur gezüchtet werden, um ein trostloses und nicht artgerechtes Leben bei desinteressierten und unfähigen Besitzern fristen, und für die vielen engagierten Hundehalter, die unter den Dummheiten der Verantwortungslosen leiden, wäre eine solche Selektion im Vorfeld ein echter Fortschritt. Lernwilligen, die bisher keine wirksame Unterstützung gefunden haben, wäre endlich geholfen. Dazu müssen jedoch erst einmal Strukturen geschaffen werden. Es fehlt aber schon an wirklich sachkundigem Personal im Begleithunde-Wesen. Es gibt keine geregelte Ausbildung der Ausbilder, wie sie etwa in der Reiterei seit Generationen üblich ist. Maßstab der Fachkunde kann aber nur sein, ob jemand Hunde im Sinne des oben skizzierten Zieles erfolgreich ausbildet. Die bisher geltenden Hundeverordnungen haben Tierärzte oder Beamte zu Wesenstestern und Sachkunde-Prüfern erhoben - sie alle sind aber keine Verhaltensexperten. So mancher hochaggressive Hund läuft deshalb in diesem Land mit offizieller Leinen- und Maulkorbbefreiung herum, während die Politik ihre bürokratischen und sachfremden Vorschriften als Rettung der Kinder feiert. Es ist also an der Zeit, dass echte Experten und Praktiker sich zusammensetzen und neue Spielregeln und feste Standards für das Zusammenleben des Menschen und seines besten Freundes festlegen - damit irgendwann der Ausflug ins Grüne nicht mehr zur Nervenprobe wird.

 

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"Wie konntest Du?"

Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich dich mit meinen Mätzchen und brachte dich zum Lachen. Du nanntest mich "dein Kind" und trotz einer Anzahl von gekauten Schuhen und einigen Sofakissen, die ich "ermordete", wurde ich dein bester Freund. Wann immer ich "ungezogen" war, zeigtest du mir mahnend den Zeigefinger und sagtest: "Wie konntest Du?" - aber dann hattest du dich sofort erweichen lassen und rolltest mich zur Seite, um meinen Bauch zu kraulen. Meine Aufenthalte in der Wohnung wurden während deines Studiums immer länger, aber ich riss mich zusammen. Ich erinnere mich an jene Nächte, als ich mich an dich im Bett ganze nahe anschmiegte und dir zuhörte, wie du im Schlaf gesprochen hattest und ich glaubte, dass das Leben nicht vollkommener sein könnte. Wir gingen in den Park, um dort lange spazieren zu gehen oder um herumzutollen, wir fuhren mit dem Auto irgendwohin, kauften uns ein Eis (ich erhielt nur den Rest der Waffel mit ein wenig Eis, weil, "zuviel Eiscreme ist für Hunde nicht gesund", sagtest Du), und ich hielt im Sonnenstrahl, der durch die Balkontüre ins Wohnzimmer hinein schien, ein langes Schläfchen und wartete so, bis du von der Arbeit nach Hause kamst.

Allmählich verbrachtes du mehr Zeit auf der Arbeit als zu Hause mit mir, um "Karriere" zu machen. Auch verbrachtest du nun sehr viel Zeit damit, um einen "menschlichen Partner" finden zu können. Ich wartete immer geduldig auf dich, tröstete dich bei Liebeskummer und deinen Enttäuschungen und freute mich ebenso mit dir, als du Erfolg bei einer Frau hattest. Sie, jetzt ist sie deine Ehefrau, ist kein "Hundeliebhaber", aber trotzdem begrüßte ich sie in unserem Heim, respektiere sie und zeigte ihr, dass ich sie mag. Ich war glücklich, weil du glücklich warst!
Dann kam die Zeit, in der Babys zur Welt kamen. Ich teilte die Aufregung mit dir. Ich war von der glatten Haut und vom angenehmen Geruch des Babys fasziniert, so dass auch ich sie bemuttern wollte. Aber du und deine Frau dachten nur daran, dass ich den Kindern schaden und sie verletzen könnte. Daher musste ich die meiste Zeit nun verbannt in einem anderen Raum verbringen, Oh, wie ich sie lieben wollte, aber es war mir vergönnt, denn ich war ein "Gefangener der Liebe". Während sie anfingen zu wachsen, wurde ich ihr Freund. Sie zogen an meinem Fell, griffen auf wackeligen Beinen nach mir, stießen ihre Finger in meine Augen, forschten an meinen Ohren und gaben mir Küsse auf meine Schnauze.
Ich liebte alles an ihnen, besonders ihre Berührungen, weil Deine so selten wurden. Ich war soweit, dass ich die Kinder notfalls mit meinem Leben verteidigen würde. Ich war soweit, in ihre Betten zu schleichen, um ihren Sorgen und geheimsten Träume zuzuhören. Zusammen mit ihnen das Motorengeräusch deines Autos zu erwarten, während du in die Einfahrt fuhrst.

Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du ein Haustier hättest, zogst du aus deiner Brieftasche ein Foto von mir und erzähltest mit vollem Stolz über mich. Die letzten Jahre antwortest du nur noch mit "Ja" und wechselst das Thema. Ich war früher "Dein Hund" und bin heute "nur ein Hund"!

Dann hattest Du eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt, und du und deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Du hattest für dich und deine Familie die richtige Entscheidung zu finden, obwohl es einmal eine Zeit gab, in der "ich" deine Familie war.
Mann oh Mann, hatte die Autofahrt Spaß gemacht, bis ich bemerkte, wo wir angekommen waren. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Furcht und nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und sagtest, dass du wissen würdest, dass man ein gutes Heim für mich finden würde. Die beiden Damen hinter der Theke zuckten mit den Achseln und zeigten dir einen geschmerzten Blick. Sie verstanden die Wirklichkeit, der ein Hund mittleren Alters gegenüberstand, ja sogar ein Hund mit "Papieren", Du hattest die Finger deines Sohnes von meinem Halsband lösen müssen, während er weinend schrie "Nein Papa, bitte lass mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Ich wunderte mich in diesem Moment nur, wie du ihm gerade Lektionen über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortlichkeit beibringen konntest. Zum Abschied gabst du mir einen Klaps auf den Kopf, vermiedest dabei, mir in meine Augen zu schauen und lehntest höflich ab, mein Halsband und meine Leine mitzunehmen. Du hattest einen Termin einzuhalten, nun habe ich auch einen! Kurz nachdem du gegangen warst, sagten die zwei netten Damen, dass du vermutlich Monate voraus vom Umzug wusstest und somit auch eine Möglichkeit vorhanden gewesen sein musste, einen "guten Platz" für mich zu finden. Sie schüttelten ihre Köpfe und fragten sich ... "Wie konntest Du?"

Die beiden netten Damen widmeten uns ihre ganze Aufmerksamkeit, wann immer es ihre Zeit zuließ. Sie fütterten uns täglich und ausreichend, aber ich verlor meinen Appetit bereits vor Tagen. Anfangs, wann immer jemand an meinen Gehege vorbei ging, hetzte ich zur Frontseite und hoffte, dass du es bist, dass du deine Meinung geändert hättest und dass alles nur ein böser Traum war, oder ich hoffte, dass es zumindest jemand sein würde, der mich mögen könnte, der mich retten würde.
Aber die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den liebenswerten, kleinen und so tolpatischen Welpen aufnehmen konnte. Weltvergessen in meinem eigenen Schicksal zog ich mich in einer weichen Ecke zurück und wartete ab.
Eines Tages, es war am Nachmittag, hörte ich Schritte. Man holte mich ab, ich ging über einen langen Korridor, bis ich an dessen Ende einen Raum betrat. Es war ein seliger, ruhiger Raum. Die Frau platzierte mich auf einen Tisch, kraulte meine Ohren und erklärt mir, dass ich mich nicht zu sorgen hätte. Mein Herz schlug in voller Erwartung auf das, was da kommen sollte.
Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl der Entlastung. Mir, dem Gefangenen der Liebe, gingen die Tage aus. Gemäß meiner Natur war ich mehr um die nette Frau besorgt, als um mich selbst. Ich erkannte, dass sie eine Belastung trägt, die tonnenschwer sein musste. Sie platzierte leicht einen Aderlass um mein Vorderbein, während eine Träne ihre Wange hinunterkullerte. Ich leckte ihre Hand in der gleichen Art und Weise, wie ich es bereits Jahre vorher tat, um dich zu trösten. Sie schob sachverständig die hypodermatische Nadel in meine Vene. Nachdem ich den Einstich und den Eintritt der kühlenden Flüssigkeit in meinen Körper verspürte, lehnte ich mich schläfrig zurück, schaute dabei in ihre freundlichen Augen und murmelte: "Wie konntest Du?". Möglicherweise verstand sie meine Hundesprache, denn sie sagte, "Es tut mir leid!". Sie umarmte mich hastig und erklärte, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo ich nicht ignoriert, missbraucht oder verlassen würde. Einem Platz, an dem ich mich nicht verstecken müsse, einen Platz der Liebe und des Lichts, der so anders sei als auf Erden.
Mit meinem letzten Bissen von Energie wedelte ich mit meinem Schwanz und versuchte ihr so zu sagen, dass mein "Wie konntest Du?", nicht gegen sie gerichtet war. Ich dacht an dich, mein geliebtes Herrchen. Ich werde immer an dich denken und auf dich warten. Möge jeder dir in deinem Leben immer diese Loyalität zeigen.

Einige Worte des Autors:

Wenn "Wie konntest Du?" Tränen in Ihre Augen trieb, dann erging es Ihnen genauso wie mir, als ich dies schrieb. Jedermann ist es erlaubt diese Geschichte weiterzugeben, solange es einem nicht kommerziellen Zweck dient. Erklären Sie der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung, ein Haustier in eine Familie aufzunehmen, eine wichtige für das Leben ist, dass Tiere unsere Liebe und unseren Respekt verdienen !

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