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Unser Hund ist schon mehr als nur
ein Hobby. Er ist Bestandteil unserer
Lebensgemeinschaft und mehr Familienmitglied als nur Haustier. Ich bin mit großen Hunden
aufgewachsen und wusste von klein auf viel über den Umgang mit Hunden.
Als ich damals von zu Hause auszog und meinen alten Hund mitnahm,
habe ich aber erst angefangen, mich richtig intensiv mit dem Hund
als Familien - Rudel - Tier zu
beschäftigen; vielleicht auch
angetrieben durch die Erkenntnis, dass es so viele Menschen gibt, die sich
Hunde halten und überhaupt keine Ahnung von den Tieren haben, sie nicht
artgerecht halten, nicht verstehen, vermenschlichen und so leider meist versauen.
Mein Traum ist es immer noch,
irgendwann einmal
als Hunde- bzw. "Herrchentrainer" zu arbeiten, mein Wissen
und meine Erfahrungen weiter zu geben und zu versuchen den Leuten zu erklären, warum ihnen ihr Hund nicht gehorcht,
warum er sie nicht als "Boss" bzw. Rudelführer akzeptiert bzw. was
man beachten und konsequent praktizieren sollte, um ein harmonisches und
artgerechtes Zusammenleben zwischen Mensch und Hund, aber auch innerhalb eines
kleinen Familienhunderudels zu gewährleisten.
Meine
Umwelt bestätigt mir immer wieder, dass ich anscheinend irgendwie ein Händchen
für die Tiere habe. Ich komme eigentlich mit jedem Hund, der psychisch nicht
total gestört ist, relativ schnell klar und kann eine erste Bindung aufbauen.
Die letzte große Herausforderung war natürlich unsere Tessa, die sehr viel
lernen musste, als sie 2002 zu uns kam. Inzwischen hat sie sich in ihr Rudel eingefügt
und ist ein ziemlich toller Hund geworden, auch wenn sie ihre Macken hat.
Ich verbringe täglich viel Zeit mit
meinen Vierbeinern: morgens und nachmittags machen wir je einen ausgedehnten
Spaziergang, wir trainieren täglich ein paar Lektionen und spielen miteinander.
In dem Sommer, als wir mit Dunja in unsere neue Wohnung gezogen sind, sahen
unsere "Spaziergänge"
teilweise aber auch anders aus:

Man traf sich morgens an "der
Bank", irgendwer brachte Kaffee oder Sekt mit, ein anderer Kekse oder
ähnliches, die Hunde spielten selber miteinander und wir hatten ein
gemütliches Stell-dich-ein.
Teilweise wuselten 5-10 Hunde um
unsere Beine und es war richtig nett. Die Truppe von 2000 hat sich inzwischen
allerdings aus unterschiedlichsten Gründen in alle Richtungen zerschlagen. Aber
dennoch lernt man durch die Hunde immer wieder mal nette, interessante, komische
oder auch nervige Menschen kennen.
Was mir wichtig ist im Zusammenleben
mit und in der Erziehung meiner Hunde:
Rangordnung
Sie müssen mich, meine Familie
und den Menschen an sich als ranghöher akzeptieren - ohne Wenn und Aber:
ich dulde weder ein Knurren, wenn ich mal einen Knochen oder das Futter
wegnehme, noch Widerworte, wenn ich auf den Platz will, auf dem sie gerade
liegen, noch ein Abwehren oder Schnappen, wenn ich man Ohren oder Zähne
überprüfen will. Ich bin der "Leitwolf",
ich darf alles - überall und wann immer ICH will! In der Wohnung haben beide Hunde je ein Körbchen und einen
weiteren Liegeplatz. Sofa und Bett sind Liegeplätze der Ranghöheren. Da haben
Hunde nichts zu suchen! Futter gibt es nie vom Tisch, denn der ist der Napf der
Ranghöheren. Es wird auch nicht gebettelt.
Gehorsam
Sie müssen gehorchen, auch unter
Ablenkung und wenn gerade vor der Nase Spannenderes passiert: egal, ob sie
gerade ein Kaninchen, einen Spielkameraden oder ein interessante Fährte in der
Nase haben; es wird immer das gemacht, was der Ranghöhere gerade will. Das
funktioniert zwar nicht immer, aber bei Tessa doch zu 90%. Es kommt
immer drauf an, ob ich bestimmte Sachen noch vor ihr ahne und
dementsprechend schneller reagieren kann.
Gehorsam
bekommt man am besten und einfachsten, wenn man mit positiver
Bestärkung arbeitet. Das ist beim Menschen ja auch nicht anders:
wenn man nie ein Lob für sein Tun bekommt, sieht man irgendwann nicht
mehr ein, wofür man das überhaupt Mühe machen oder wofür man sich weiterhin
anstrengen soll! Positivbestärker müssen nicht immer Leckerchen sein. Manche
Hunde freuen sich viel mehr, wenn sie mit einem Spielzeug oder auch nur mit
überschwänglicher Freude belohnt werden. Jeder Hund ist da anders. Ich habe für
brenzlige Situationen auch noch einen Negativbestärker: das Klirren eines
Schlüsselbundes zeigt an, dass eine Grenze überschritten ist.
Negativbestärker aber nur sehr sparsam einsetzen!
Sozialverhalten
Sie müssen sozialverträglich sein:
das bedeutet nicht, dass sie sich mit jedem anderen Hund arrangieren können müssen. Auch
unter Hunden gibt es Sympathie und Antipathie. Aber ich achte darauf, dass sie
ihre Hundehackordnung nur (Entweder: du bist
kleiner als ich und hast Angst vor mir, also jage ich dich! Oder: du bist
größer und stärker als ich, also unterwerfe ich mich am besten gleich mal!) in
bestimmten Grenzen ausleben. Dunja hatte da von Natur aus ein sehr
feines Gespür für. Sie ging Konflikten von alleine aus dem Weg. Tessa muss ich
da schon steuern. Umso mehr freut es mich, dass sie sowohl mit Weibchen als auch
mit Rüden spielt, und dass sie mit dem jungen Zwergdackel von nebenan genauso
spielt wie mit dem Altdeutschen Schäferhund am Rhein.
Gesellschaftsfähigkeit
Hunde, besonders große Hunde, sind
heute für viele ein rotes Tuch. Man wird auf den Spaziergängen angemotzt,
zurechtgewiesen, einem wird mit Anzeige und anderem gedroht. Selten kommt mal
jemand auf einen zu und bewundert, dass die Tiere aber wohlerzogen sind. Und ich
gebe mir wirklich Mühe: meine Hunde interessieren sich
nicht für Jogger, Inlineskater, Radfahrer oder Autos, sie gehen meist nur zu
anderen Menschen, wenn sie angesprochen werden, sie laufen fast immer auf der
Wegseite, die ich ihnen anzeige, sie wechseln bei Gegenverkehr auf Befehl die
Wegseite, sie laufen auch ohne Leine "beifuß", wenn andere Hunde
kommen... Aber es sind halt Hunde und sie sind triebgesteuert!
Dennoch
bin ich stolz darauf, dass ich meine Hunde überall mit hinnehmen kann. Im
Lokal liegen sie brav unter dem Tisch (auch wenn andere Hunde ins Lokal kommen), in den Bus und Bahn machen sie ohne
Theater zwischen meinen Beinen "sitz", vor Geschäften warten sie brav auf
mich und sie springen nie andere Leute an. Eigentlich hat niemand einen Grund,
sich über meine Hunde aufzuregen!


Kölner Artikel
Bitte weiterverbreiten!
Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom 6.4.2002
Von Wolfgang Heck und Jutta Vossieg
Einer der ersten schönen Sonntage im Frühling. Ein vollbesetztes Ausflugslokal.
Unter den Gästen auch sieben Familien mit Hund. Hund eins ist am Zaun angebunden
und kläfft ununterbrochen. Hund zwei wuselt rastlos um seine Leute herum,
bettelt und springt an ihnen hoch, bis die Getränke verschüttet sind und
Herrchen und Frauchen in Streit geraten. Hund drei pinkelt zwei Meter vom
nächsten Tisch entfernt gegen einen Stein, während Frauchen die Leine hält und
sich amüsiert über sein unmögliches Benehmen auslässt.
Hund vier läuft frei zwischen den Tischen herum und interessiert sich
ausschließlich für Hund fünf, der im Kommando "bleib Platz" als einziger artig
unter dem Tisch liegt und die Annäherungsversuche deutlich leid ist. Als sein
Herrchen Hund vier fortschickt, handelt er sich den geballten Zorn von dessen
Haltern ein: "Geh doch nach Hause mit deinem Hund, wenn der nicht spielen will!"
Hund sechs sitzt auf Frauchens Schoß und frisst mit herablassendem
Gesichtsausdruck deren Sahnekuchen - vom Löffelchen, versteht sich. Und Hund
sieben saust, das Geschrei seiner Leute ignorierend, hinter einem Jogger her,
der den guten Ratschlag "Bleiben Sie einfach stehen, dann passiert nichts!"
erhält.
Was ist eigentlich los mit Deutschlands Hunden und ihren Menschen? Alltagsärger
und Verdruss über ungezogene und verhaltensgestörte Hunde, über inkompetente und
rücksichtslose Halter haben den Nährboden bereitet für Kampfhund-Hysterie,
drastische und unsinnige Hundeverordnungen und offenen Hundehass. Doch wie
konnte es passieren, dass die jahrtausende alte Symbiose zwischen Mensch und
Hund in einen solchen Aufruhr geraten ist?
Mit den rapiden Veränderungen in der Gesellschaft hat sich in vielfältiger Weise
auch das Verhältnis zwischen Mensch und Hund gewandelt.
Einerseits wird es enger in Deutschland - wo vor 30 Jahren noch ein einsamer
Ausflug möglich war, muss sich der Erholungssuchende heute seinen Weg zwischen
Scharen von keineswegs Gleichgesinnten bahnen. Jogger, Skater, Radfahrer,
Spaziergänger, Familien mit Kleinkindern, Reiter und eben Hundehalter müssen
sich die raren Grünflächen in den Ballungsgebieten teilen - die Stimmung ist
vielfach gereizt, Ärger zwischen allen Interessengruppen ist programmiert, zumal
Intoleranz und Berührungsängste, Rücksichtslosigkeit und Rechthaberei generell
zunehmen. Mancher fühlt sich durch die pure Präsenz eines Hundes belästigt und
gefährdet.
Viel gravierender aber ist, dass sich Hund und Halter einander bedenklich
entfremdet haben. Der Hund hat seinen Job als Wächter des Hofs, Hüter des Viehs,
Jäger oder auch nur als Begleiter durch den Alltag verloren, sein
Bewegungsspielraum wird immer weiter eingeengt. Nur wenige glückliche leben
heute bei den Menschen, die den Hund als Hund behandeln, weil sie wirklich
Bescheid wissen über Rudelverhalten und Triebe, über artgerechte Haltung und
Beschäftigung. Die weitaus meisten dienen als Kinderspielzeug, Partner- oder
Kinderersatz, als Statussymbol, modisches Accessoire oder Sportgerät, oder sind
aus einer Laune heraus angeschafft und längst lästig geworden.
Unsachliche Affenliebe und eine gefährliche Laisser-faire-Mentalität hat
Fachkunde und konsequente Erziehung abgelöst. Selbstgebastelte
Verhaltenstheorien werden bei jeder Gassi-Begegnung weitergereicht und erhalten
dadurch irgendwann den Status unumstößlicher Weisheiten, etwa die Mär vom
Welpenschutz (der viele Hundekinder böse Erfahrungen verdanken), der Grundsatz
"das machen die unter sich aus" (ein todsicherer Weg, sich einen Problemhund
heranzuziehen) oder die Regel "Rüden/Hündinnen untereinander vertragen sich eben
nicht" (eine bequeme Ausrede für ein Aggressionsproblem).
Hunde werden mal vermenschlicht und verhätschelt, mal sträflich vernachlässigt
oder dumm und roh behandelt. Eine Industrie, die lächerliches und überflüssiges
Zubehör wie Regenmäntelchen und Videos für den Hund als Zeitvertreib bei
Frauchens Abwesenheit verkauft, macht Rekordumsätze. Gleichzeitig verstaubt das
durchaus vorhandene, fundierte Wissen über den Hund, sein Wesen und den Umgang
mit ihm in den Bücherregalen. Jeder glaubt, nur er allein versteht seinen
Liebling und weiß, was gut für ihn ist.
Ein übergroßer Teil der Halter ist aber weder bereit noch in der Lage, seine
Hunde sachgerecht und erfolgreich zu erziehen. Kaum ein Hund beherrscht heute
die einfachsten Gehorsamsübungen wie "Bei Fuß", kaum ein Halter hat sein Tier
auch in Reizsituationen sicher im Griff. Gerichte beschäftigen sich regelmäßig
mit Belästigungen und Gefährdungen, denen Menschen durch Hunde ausgesetzt sind.
Manche Nachbarschaft wird durch dauerkläffende Hunde zermürbt, Radfahrer und
Skater kommen durch unkontrolliert herum springende Hunde zu Fall. Dabei sehen
es viele Hundebesitzer noch als gutes Recht ihrer Tiere an, sich so zu
verhalten.
Die meisten Halter erkennen noch nicht einmal, wenn ein anderer - erzogener -
Hund gerade ein Kommando befolgt und jetzt nicht von spielwütigen Artgenossen
überfallen werden möchte. Verbreitet herrscht regelrecht Mitleid mit Hunden, die
nicht rund um die Uhr machen dürfen was sie wollen. Dass ein wohlerzogener Hund
letztendlich mehr Freiheiten und ein erfüllteres Leben hat, als der, der zweimal
am Tag für eine halbe Stunde auf der Hundewiese losgelassen wird und ansonsten
zuhause bleiben muss, weil er überall unangenehm auffällt, sehen die wenigsten.
Mit diesen Auflösungserscheinungen hat das Hundewesen in Deutschland nicht
Schritt gehalten. Wer seinen Hund nicht zur Jagd, im Hundesport oder
Schutzdienst ausbilden, sondern nur einen ganz normalen, alltagstauglichen
Familienhund will, ist einer unkontrollierten und weithin unprofessionellen
Szene ausgeliefert. Hundehaltung und -erziehung gelten nach wie vor als Hobby,
Scharlatanerie und Stümperei sind an der Tagesordnung. Der Besuch einer
Hundeschule gehört zwar heute für viele dazu, doch eine solche darf jeder
eröffnen, der über ein eingezäuntes Grundstück verfügt. Es wimmelt in der Szene
von wohlmeinenden, aber konzeptlosen Autodidakten, selbsternannten Gurus und "Hundeflüsterern",
die sich am liebsten mit dem Etikett "gewaltfrei" schmücken. Sie versprechen
grenzenlose Harmonie in der "Partnerschaft von Mensch und Tier", rasche
Wunderheilungen von Verhaltensstörungen und verteufeln jede Strafeinwirkung als
Tierquälerei.
Damit haben sie natürlich mehr Glanz und Zulauf als bodenständige Ausbilder, die
ganz herkömmlich mit Lob und Strafe arbeiten, auf konsequenter Unterordnung
bestehen und den Haltern einen langen, steinigen Weg und einen lebenslangen
Lernprozess prophezeien.
Mancher gut gemeinte Erziehungsversuch, mancher teure Kurs endet für Hund und
Halter in einem Desaster, wenn die beiden an dilettantische Ausbilder geraten
sind und aus Unwissenheit falschen Theorien folgen. Ungehorsam und Fehlverhalten
sind nach dem Kurs oft schlimmer als vorher. Durch diese verbreitete Erfahrung
setzt sich nicht nur in Hundehalter-Kreisen die Meinung durch, es sei normal,
dass Hunde nicht gehorchen und, einmal losgelassen, in ihrem Verhalten nicht
kontrollierbar sind. Entsprechend sind auch die Hundeverordnungen formuliert -
Leinenzwang für alle. Dass ein Hund korrekt im Gehorsam stehen und sich tadellos
benehmen kann, scheint gar nicht mehr denkbar. Viele Züchter nähren Inkompetenz
und mangelndes Engagement in der Ausbildung noch damit, dass sie ihre "leicht
erziehbaren" und "kinderlieben" Rassen, den wartungsfreien Vollkasko-Hund
sozusagen, anpreisen.
Jeder Hund, vom Pudel bis zum Pitbull, ist jedoch mit drei Merkmalen
ausgestattet: Er ist ein Rudel- und damit Rangordnungstier. Er ist
triebgesteuert. Und er ist lernfähig. Das heißt: Entweder führt der Mensch ihn
oder er den Menschen. Gleichberechtigte Partnerschaft kommt in seinem Weltbild
nicht vor. Wie alle sozialen Lebewesen verfügt er nicht nur über liebenswerte
Eigenschaften, sondern auch über ein beachtliches Aggressionspotential. Er folgt
seinen angeborenen Impulsen (Hetz-, Beute-, Sexualtrieb), wenn sie nicht von
Anfang an schon in kleinsten Ansätzen konsequent gebremst werden - das lässt
sich nicht ausschließlich mit Lob und Leckerchen erreichen. Er lernt entweder,
sinnvolle Kommandos zu befolgen, oder er lernt, dass er machen kann was er will.
Jedem Hundebesitzer sollte klar sein, dass auch der niedlichste und friedlichste
Hund erzogen werden muss, will der Mensch mit ihm ohne ständige Zwischenfälle
und Ärger über Unarten zusammenleben. Die landläufige Ansicht, dass aus einem
Hund, der einfach nur liebevoll behandelt wird, zwangsläufig ein "lieber Hund"
wird, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.
Zudem gibt es dramatische Fehleinschätzungen des Verhaltens des eigenen Hundes:
Zerren an der Leine, Aggression gegen Artgenossen, Dauerkläffen,
Trennungsängste, Belästigen fremder Leute und Aggression gegen Menschen etwa in
Form von Futter- oder Revierverteidigung oder knurrende Behauptung auf dem Sofa
gegen die eigene Familie werden als "Hundeart", als "liebenswerte Macken"
belächelt und hingenommen - solange es gut geht. Sie sind aber der Anfang einer
Karriere als Problemhund.
Denn diese lästigen oder gar gefährlichen Unarten sind immer Ausdruck einer
gestörten Rangordnung im "gemischten Mensch-Hund-Rudel". Und ist die Rangfolge
falsch, wird sich der Hund immer weiter zum Chef aufschwingen und seine Triebe
ungehemmt ausleben. Bei weitem nicht immer, aber auch nicht selten wird ein
solcher Hund schließlich bissig. Das bedeutet natürlich nicht, dass er ständig
und jeden attackiert. Er ist die meiste Zeit weiterhin fröhlich und liebenswert.
Gefährlich wird er jedoch in Situationen, die in seinen Augen einen
Rangordnungskonflikt darstellen - etwa, wenn sich ein Kind unwissentlich der
Futterschüssel nähert, wenn er vom Sofa vertrieben werden soll oder wenn ein
Fremder ins Haus kommt. Dabei kann schon das zwischen Hunden übliche, eigentlich
harmlose "Abschnappen" Richtung Gesicht beim Menschen zu schweren Verletzungen
führen - deshalb werden Kinder tragischerweise so oft dauerhaft entstellt.
Das Medienmonster, das auf der Straße unmotiviert fremde Menschen anfällt, ist
also die absolute Ausnahme - wenn überhaupt, handelt es sich hier um
missbräuchlich scharf gemachte Hunde. Das Risiko, auf dem Spaziergang von einem
entgegenkommenden Hund ernsthaft attackiert zu werden, ist kaum größer als das,
von dessen Herrchen erschossen zu werden. Beißunfälle passieren hingegen in
aller Regel innerhalb der Familie oder des häuslichen Bereichs. Diese Vorfälle
werden vielfach totgeschwiegen, die Hunde werden eingeschläfert oder ins
Tierheim entsorgt - beim neuen Besitzer sind sie womöglich dank kompetenter
Führung völlig problemlos. Erstaunlich viele Menschen leben aber mit dem Problem
weiter, es gibt durchaus Fälle, in denen Menschen mehrfach vom eigenen Hund
arztreif gebissen worden sind.
Überproportional beteiligt an solchen Zwischenfällen sind den Erfahrungen
zufolge Kleinhunde sowie Modehunde wie Golden Retriever, Bobtail oder Berner
Sennenhund. Grund in 99 von 100 Fällen: mangelnde Erziehung, fehlende
Unterordnung, Verhätscheln, Vermenschlichung. Der Hund war einfach zu niedlich,
um ihn wie einen Hund zu behandeln. Er schlief auf dem Sofa, bekam stets seinen
Willen, stand immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - kurz, die Familie
ordnete sich ihm als Rudelführer freiwillig unter.
Auch der Großteil der spektakulären Attacken der Vergangenheit hat im privaten
Bereich stattgefunden, oder aber in Situationen, in denen sich die Hunde gegen
den Willen ihrer Besitzer selbstständig gemacht hatten. Es muss also
einleuchten, dass mit Hundeverordnungen, die auf Rasselisten und bürokratischen
Vorschriften beruhen, nicht viel gewonnen ist. Sie haben auch nicht zu einem
nennenswerten Rückgang der Beißvorfälle geführt, auch wenn die Politik dies gern
anders verkauft.
Das Kind, das auf der Suche nach seinem Ball über den Zaun eines fremden
Grundstücks klettert, oder das Tag für Tag mit einem unzuverlässigen Hund
zusammenlebt, die alte Dame, die einem ausgebüchsten Rottweiler in die Quere
kommt, werden nicht dadurch geschützt, dass Leinenzwang und hohe Bußgelder auf
dem Papier stehen. Schluss mit den Horrormeldungen - und ganz nebenbei auch mit
dem Alltagsärger - wird erst dann sein, wenn Hundehalter zwingend dazu
verpflichtet werden, ihre Hunde zu Zuverlässigkeit, Gehorsam und unbedingtem
Respekt vor allen Menschen zu erziehen, und wenn diese Vorschrift auch
kontrolliert wird. Ein solches Ziel ist völlig unabhängig von Rasse und Größe
des Hundes.
Leider ist es bisher nicht gelungen, das Thema in sachlicher Weise auf die
politische Tagesordnung zu setzen. In Politik und Medien gibt es eine schwer
erklärbare Verweigerung, sich mit dem Thema Hundehaltung und Schutz der
Bevölkerung vernünftig inhaltlich auseinander zu setzen. Grundsätzlich wird ein
Gegensatz zwischen Eltern und Hundebesitzern konstruiert, obwohl Hunde ganz
überwiegend in Familien gehalten werden. Professionelle Hundeausbilder, deren
Beruf es ist, Hunde alltagstauglich und menschen-kompatibel zu erziehen, werden
als verantwortungslose "Köter-vor-Kinder"-Aktivisten abgetan, wenn sie
bestehende Regelungen als unsinnig kritisieren. Argumente verhallen ungehört.
Dabei reden seriöse Hundefachleute keineswegs jenen nach dem Mund, die meinen,
dass in der Hundeszene bis auf ein paar schwarze Schafe alles in bester Ordnung
sei. Obligatorische Erziehung, deren Erfolg regelmäßig und ein Hundeleben lang
kontrolliert wird, ist eine viel unbequemere Sache, als einem ungezogenen Hund
einfach Leine und Maulkorb umzuhängen. Schließlich haben frühere Generationen ja
auch nicht auf die steigende Verkehrsdichte damit reagiert, dass Autos nicht
schneller als 20 fahren durften, sondern Fahrschule, Führerschein und TÜV
eingeführt.
Ähnliches ist im Hundewesen denkbar: Haltungsgenehmigung vor Anschaffung des
Hundes, zwingender Besuch eines Grundausbildungskurses, Ablegen einer Prüfung
und regelmäßige Vorstellung des erwachsenen Hundes zu Wesenstests. Begleitend
müssen "Verkehrsregeln" aufgestellt werden, damit auch dem letzten klar wird,
dass Hunde sich nicht überall lösen dürfen, dass es selbstverständlich ist, den
Hund bei Annäherung anderer Menschen bei Fuß zu rufen, dass Hunde nicht an
fremden Kinderwagen zu schnüffeln und Nachbars Katze zu jagen haben, und dass es
auch im Umgang fremder Hunde untereinander Regeln zu beachten gibt.
Das Ausbildungsziel - wie immer es erreicht wird - ist einfach zu definieren:
Der alltagstaugliche, problemlose, aber natürlich auch freudige Familienhund. Er
befolgt prompt und unter allen Umständen die Basis-Kommandos "bei Fuß", "sitz",
"platz", "bleib", "hierhin" und "pfui". Er ist verträglich mit allen
Artgenossen, und lässt andere Tiere in Haushalt, Wald und Feld in Ruhe. Er zeigt
unter gar keinen Umständen Aggression gegen Menschen, also auch nicht in Form
von Revierverteidigung oder Beschützergehabe. Dies alles muss auch dann
zuverlässig funktionieren, wenn der Besitzer nicht dabei ist.
Das Ziel ist von fast allen Hunden zu erreichen, unabhängig von Rasse, Alter und
Biografie. Klar muss jedoch auch sein, dass besonders triebstarke Hunde oder
Hunde mit gravierenden Verhaltensproblemen und -störungen nur in sehr erfahrenen
und konsequenten Händen erfolgreich erzogen werden können.
Wichtig ist die regelmäßige Nachkontrolle, weil sich auch bestens ausgebildete
Hunde durch nachlässige Führung im Laufe der Jahre negativ entwickeln können.
Der heute übliche "Wesenstest" ist daher irreführend, weil ein Hund nicht seinem
Wesen nach ein für allemal "gut" oder "schlecht" ist, sondern immer ein Spiegel
seiner Handhabung durch den Besitzer.
Diese strengen Vorschriften können dazu beitragen, dass sich potenzielle
Hundehalter von vornherein besser überlegen, welcher Hund zu ihnen passt, oder
ob sie überhaupt bereit sind, diesen Aufwand zu treiben. Für die ungezählten
Hunde, die nur gezüchtet werden, um ein trostloses und nicht artgerechtes Leben
bei desinteressierten und unfähigen Besitzern fristen, und für die vielen
engagierten Hundehalter, die unter den Dummheiten der Verantwortungslosen
leiden, wäre eine solche Selektion im Vorfeld ein echter Fortschritt.
Lernwilligen, die bisher keine wirksame Unterstützung gefunden haben, wäre
endlich geholfen. Dazu müssen jedoch erst einmal Strukturen geschaffen werden.
Es fehlt aber schon an wirklich sachkundigem Personal im Begleithunde-Wesen. Es
gibt keine geregelte Ausbildung der Ausbilder, wie sie etwa in der Reiterei seit
Generationen üblich ist. Maßstab der Fachkunde kann aber nur sein, ob jemand
Hunde im Sinne des oben skizzierten Zieles erfolgreich ausbildet. Die bisher
geltenden Hundeverordnungen haben Tierärzte oder Beamte zu Wesenstestern und
Sachkunde-Prüfern erhoben - sie alle sind aber keine Verhaltensexperten. So
mancher hochaggressive Hund läuft deshalb in diesem Land mit offizieller Leinen-
und Maulkorbbefreiung herum, während die Politik ihre bürokratischen und
sachfremden Vorschriften als Rettung der Kinder feiert. Es ist also an der Zeit,
dass echte Experten und Praktiker sich zusammensetzen und neue Spielregeln und
feste Standards für das Zusammenleben des Menschen und seines besten Freundes
festlegen - damit irgendwann der Ausflug ins Grüne nicht mehr zur Nervenprobe
wird.
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"Wie konntest Du?"
Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich dich mit meinen Mätzchen und brachte
dich zum Lachen. Du nanntest mich "dein Kind" und trotz einer Anzahl von
gekauten Schuhen und einigen Sofakissen, die ich "ermordete", wurde ich dein
bester Freund. Wann immer ich "ungezogen" war, zeigtest du mir mahnend den
Zeigefinger und sagtest: "Wie konntest Du?" - aber dann hattest du dich sofort
erweichen lassen und rolltest mich zur Seite, um meinen Bauch zu kraulen. Meine
Aufenthalte in der Wohnung wurden während deines Studiums immer länger, aber ich
riss mich zusammen. Ich erinnere mich an jene Nächte, als ich mich an dich im
Bett ganze nahe anschmiegte und dir zuhörte, wie du im Schlaf gesprochen hattest
und ich glaubte, dass das Leben nicht vollkommener sein könnte. Wir gingen in
den Park, um dort lange spazieren zu gehen oder um herumzutollen, wir fuhren mit
dem Auto irgendwohin, kauften uns ein Eis (ich erhielt nur den Rest der Waffel
mit ein wenig Eis, weil, "zuviel Eiscreme ist für Hunde nicht gesund", sagtest
Du), und ich hielt im Sonnenstrahl, der durch die Balkontüre ins Wohnzimmer
hinein schien, ein langes Schläfchen und wartete so, bis du von der Arbeit nach
Hause kamst.
Allmählich verbrachtes du mehr Zeit auf der Arbeit als zu Hause mit mir, um
"Karriere" zu machen. Auch verbrachtest du nun sehr viel Zeit damit, um einen
"menschlichen Partner" finden zu können. Ich wartete immer geduldig auf dich,
tröstete dich bei Liebeskummer und deinen Enttäuschungen und freute mich ebenso
mit dir, als du Erfolg bei einer Frau hattest. Sie, jetzt ist sie deine Ehefrau,
ist kein "Hundeliebhaber", aber trotzdem begrüßte ich sie in unserem Heim,
respektiere sie und zeigte ihr, dass ich sie mag. Ich war glücklich, weil du
glücklich warst!
Dann kam die Zeit, in der Babys zur Welt kamen. Ich teilte die Aufregung mit
dir. Ich war von der glatten Haut und vom angenehmen Geruch des Babys
fasziniert, so dass auch ich sie bemuttern wollte. Aber du und deine Frau
dachten nur daran, dass ich den Kindern schaden und sie verletzen könnte. Daher
musste ich die meiste Zeit nun verbannt in einem anderen Raum verbringen, Oh,
wie ich sie lieben wollte, aber es war mir vergönnt, denn ich war ein
"Gefangener der Liebe". Während sie anfingen zu wachsen, wurde ich ihr Freund.
Sie zogen an meinem Fell, griffen auf wackeligen Beinen nach mir, stießen ihre
Finger in meine Augen, forschten an meinen Ohren und gaben mir Küsse auf meine
Schnauze.
Ich liebte alles an ihnen, besonders ihre Berührungen, weil Deine so selten
wurden. Ich war soweit, dass ich die Kinder notfalls mit meinem Leben
verteidigen würde. Ich war soweit, in ihre Betten zu schleichen, um ihren Sorgen
und geheimsten Träume zuzuhören. Zusammen mit ihnen das Motorengeräusch deines
Autos zu erwarten, während du in die Einfahrt fuhrst.
Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du ein Haustier hättest, zogst du aus
deiner Brieftasche ein Foto von mir und erzähltest mit vollem Stolz über mich.
Die letzten Jahre antwortest du nur noch mit "Ja" und wechselst das Thema. Ich
war früher "Dein Hund" und bin heute "nur ein Hund"!
Dann hattest Du eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt, und du und
deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Du
hattest für dich und deine Familie die richtige Entscheidung zu finden, obwohl
es einmal eine Zeit gab, in der "ich" deine Familie war.
Mann oh Mann, hatte die Autofahrt Spaß gemacht, bis ich bemerkte, wo wir
angekommen waren. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Furcht und nach
Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und sagtest, dass du wissen würdest,
dass man ein gutes Heim für mich finden würde. Die beiden Damen hinter der Theke
zuckten mit den Achseln und zeigten dir einen geschmerzten Blick. Sie verstanden
die Wirklichkeit, der ein Hund mittleren Alters gegenüberstand, ja sogar ein
Hund mit "Papieren", Du hattest die Finger deines Sohnes von meinem Halsband
lösen müssen, während er weinend schrie "Nein Papa, bitte lass mir meinen Hund
nicht wegnehmen!" Ich wunderte mich in diesem Moment nur, wie du ihm gerade
Lektionen über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortlichkeit
beibringen konntest. Zum Abschied gabst du mir einen Klaps auf den Kopf,
vermiedest dabei, mir in meine Augen zu schauen und lehntest höflich ab, mein
Halsband und meine Leine mitzunehmen. Du hattest einen Termin einzuhalten, nun
habe ich auch einen! Kurz nachdem du gegangen warst, sagten die zwei netten
Damen, dass du vermutlich Monate voraus vom Umzug wusstest und somit auch eine
Möglichkeit vorhanden gewesen sein musste, einen "guten Platz" für mich zu
finden. Sie schüttelten ihre Köpfe und fragten sich ... "Wie konntest Du?"
Die beiden netten Damen widmeten uns ihre ganze Aufmerksamkeit, wann immer es
ihre Zeit zuließ. Sie fütterten uns täglich und ausreichend, aber ich verlor
meinen Appetit bereits vor Tagen. Anfangs, wann immer jemand an meinen Gehege
vorbei ging, hetzte ich zur Frontseite und hoffte, dass du es bist, dass du
deine Meinung geändert hättest und dass alles nur ein böser Traum war, oder ich
hoffte, dass es zumindest jemand sein würde, der mich mögen könnte, der mich
retten würde.
Aber die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den liebenswerten, kleinen und so
tolpatischen Welpen aufnehmen konnte. Weltvergessen in meinem eigenen Schicksal
zog ich mich in einer weichen Ecke zurück und wartete ab.
Eines Tages, es war am Nachmittag, hörte ich Schritte. Man holte mich ab, ich
ging über einen langen Korridor, bis ich an dessen Ende einen Raum betrat. Es
war ein seliger, ruhiger Raum. Die Frau platzierte mich auf einen Tisch, kraulte
meine Ohren und erklärt mir, dass ich mich nicht zu sorgen hätte. Mein Herz
schlug in voller Erwartung auf das, was da kommen sollte.
Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl der Entlastung. Mir, dem Gefangenen der Liebe,
gingen die Tage aus. Gemäß meiner Natur war ich mehr um die nette Frau besorgt,
als um mich selbst. Ich erkannte, dass sie eine Belastung trägt, die
tonnenschwer sein musste. Sie platzierte leicht einen Aderlass um mein
Vorderbein, während eine Träne ihre Wange hinunterkullerte. Ich leckte ihre Hand
in der gleichen Art und Weise, wie ich es bereits Jahre vorher tat, um dich zu
trösten. Sie schob sachverständig die hypodermatische Nadel in meine Vene.
Nachdem ich den Einstich und den Eintritt der kühlenden Flüssigkeit in meinen
Körper verspürte, lehnte ich mich schläfrig zurück, schaute dabei in ihre
freundlichen Augen und murmelte: "Wie konntest Du?". Möglicherweise verstand sie
meine Hundesprache, denn sie sagte, "Es tut mir leid!". Sie umarmte mich hastig
und erklärte, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo
ich nicht ignoriert, missbraucht oder verlassen würde. Einem Platz, an dem ich
mich nicht verstecken müsse, einen Platz der Liebe und des Lichts, der so anders
sei als auf Erden.
Mit meinem letzten Bissen von Energie wedelte ich mit meinem Schwanz und
versuchte ihr so zu sagen, dass mein "Wie konntest Du?", nicht gegen sie
gerichtet war. Ich dacht an dich, mein geliebtes Herrchen. Ich werde immer an
dich denken und auf dich warten. Möge jeder dir in deinem Leben immer diese
Loyalität zeigen.
Einige Worte des Autors:
Wenn "Wie konntest Du?" Tränen in Ihre Augen trieb, dann erging es Ihnen genauso
wie mir, als ich dies schrieb. Jedermann ist es erlaubt diese Geschichte
weiterzugeben, solange es einem nicht kommerziellen Zweck dient. Erklären Sie
der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung, ein Haustier in eine Familie
aufzunehmen, eine wichtige für das Leben ist, dass Tiere unsere Liebe und
unseren Respekt verdienen !
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